Equestrian Balance

Philosophie

Das Pferd ist nicht zum Reiten geboren, also sollten wir dafür sorgen, dass es so trainiert wird, dass es das Gerittenwerden bestmöglich verkraftet.

Der muskuläre Aufbau und die Schulung der Beweglichkeit durch Dehnübungen ist die Basis zur Gesunderhaltung des Pferdes

Muskelaufbau (ohne Verspannung) und Lernen sind erst dann möglich, wenn das Pferd sich in innerer und äusserer Losgelassenheit durch den Körper bewegt.

Das Ziel ist letztendlich eine physische und psychische Balance von Pferd und Reiter.

Der Weg zueinander

Ein freundlicher manchmal bestimmter Umgang ist die Grundlage. Die Basis wird schon in den ersten Lebenstagen und Jahren gelegt. Wenn das gut gemacht wird, ist die weitere Zusammenarbeit so viel leichter, da nicht erst das fehlende Vertrauen in den Menschen aufgebaut werden muss. Meiner Erfahrung nach bleibt es ein Leben lang ein Unterschied wie der erste Menschenkontakt war.

Aufzucht:

Pferde sollten in einer großen Herde mit viel Platz aufwachsen. Die Junghengste sollten nach dem Absetzen in ihren Gruppen leben. Wenn ich ein Pferd aussuche, achte ich darauf, wie die Bedingungen und der Umgang in seiner Jugend waren. 

In Deutschland existieren selten die Bedingungen (sprich wirklich große Flächen), um eine große Herde zu halten, in der sich die Pferde entsprechend ihrer Natur viel bewegen können und gleichzeitig einen guten, liebevollen Menschenkontakt erfahren.

Beginn der Zusammenarbeit:

Wenn man bedenkt, dass die Verknöcherung des Pferdeskeletts erst mit 6 Jahren abgeschlossen ist, kann man sich vorstellen, was es für einen Pferdekörper bedeutet, mit 3 Jahren auch nur 50 kg tragen zu müssen. 

Die gemeinsame Entwicklung

Ich beginne nicht vor dem 4. Lebensjahr mit dem Anreiten, was bedeutet, dass sie vierjährig vorsichtig anlongiert werden, mit Pausen und möglichst viel freier Bewegung. Die Anforderungen werden sehr behutsam gesteigert und erst 6 jährig verlange ich mehr körperliche “Arbeit“.

Da Reiten immer auch mit körperlicher Belastung einhergeht, sollten wir, egal was wir reiten wollen, immer an eine gute Gymnastizierung zum Muskelaufbau denken. Allerdings ist dabei auch freie Bewegung relevant, in der sich das Pferd selbst lockern kann . Dies wird gerade bei vielen Sportreitern nicht beachtet und würde meiner Meinung nach viele Probleme ersparen.

Nur wer seine eigenen Schwächen und die seines Pferdes unemotional und neutral anschaut, hat die Chance, an diesen zu arbeiten und sie zu verbessern.

Man kann mit einer Vielzahl an Übungen die unterschiedlichen Körperpartien des Pferdes entsprechend schulen. Hierzu verwende ich dementsprechend sinnvolle Aufgaben aus den verschiedensten Reitarten. Longieren, Bodenarbeit und selbstverständlich der Aufbau einer guten Beziehung sowie das Verständnis für das Wesen werden dabei in die tägliche Arbeit mit einbezogen. Bei allem geht es immer um das Bewusstsein, WIE und WARUM ich etwas mache.

Es sei darauf hingewiesen, dass erst, wenn das Pferd gelernt hat, in gesunder Spannung zu gehen und die Kraft hat, diese zu halten, bestimmte Lektionen aus der höheren Schule am Boden ausgebildet werden sollten.

Keine Arbeit ohne Energie

Ein Pferd spürt die Energien wesentlich feiner als wir Menschen; sie können große Lehrmeister für uns sein. 

Es macht auch die Natur eines Pferdes aus, sehr energetisch oder ganz sanft und ruhig zu sein. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Dafür müssen wir auch mit unserer eigenen Energie umgehen können.

Wenn man das in die Arbeit mit dem Pferd überträgt, geht es dabei um Konzentration: Man sagt z.B. „sammel dich mal“, was bedeutet „konzentriere Dich“ – Versammlung ist Konzentration, beim Pferd Energie bündeln im Körper.

Es gibt sehr energetische, reaktive Pferde bei denen man seine eigene Energie ganz herunter fahren muss oder diejenigen, denen man Energie geben muss.

Beides geht nur über absolute Konzentration in Detailarbeit. Belohnt wird man dann, wenn das Pferd mit seiner Aufmerksamkeit ganz bei einem ist und sich die Körper wie eins anfühlen.

Grundsätzlich gibt es nichts Schlechtes an Sportreiterei, wenn sie pferdegerecht betrieben wird. Ebenso tierschutzrelevant wie schlechte Sportreiterei ist es, Pferde nur spazieren zu führen und sie nicht körperlich auszulasten: Rehe, metabolisches Syndrom ,Atemwegserkrankungen etc. nehmen zu. Aber auch der Geist eines Pferdes will beansprucht werden. Sie wollen und brauchen eine Aufgabe, denn es ist nicht das Wesen eines Pferdes, wenn es  ruhig und brav, dick und stumpf herumsteht.

Natürlich sollte nicht vergessen werden, das Pferd immer wieder mal einem Osteopathen vorzustellen, um Blockaden zu lösen und gemeinsam die Schwächen des Pferdes zu besprechen. Ein Hufschmied mit offenem Ohr und Interesse an der Bewegung eines Pferdes kann viel am Bewegungsablauf verbessern.